SUP Alps Trophy: Mein erstes SUP Race

SUP Alps Trophy: Mein erstes SUP Race

Seitdem ich stand up paddle stellte sich für mich nie die Frage, ob ich an Wettbewerben teilnehmen würde. Zwar bin ich sportlich durchaus ein kompetitiver Mensch, aber beim SUP-Sport stand von Anfang an vor allem der Genuss im Vordergrund. Sich mit allen Sinnen auf die Natur und vor allem auf das Wasser einzulassen und diese Erfahrungen entspannt auf mich wirken zu lassen, das ist seither mein primärer Anspruch an den Paddelsport. Wettbewerbe fanden hier keinen Platz, obwohl ich über die Jahre auf immer schnellere Boards umstieg und immer längere Touren paddelte. Schließlich stiegen mit dem Können und der Erfahrung auch die Ansprüche ans Material und das reine Spazierenfahren wurde mir zu langweilig. Ohne mir dessen bewusst zu werden, begann ich SUP immer leistungsorientierter zu betreiben, bald wurden aus 10 km langen Touren, 20 km und mehr und Herausforderungen wurden immer mehr zur Norm. Schließlich konnte ich die Natur auch bei hohem Tempo auf meine ganz besondere Art genießen und ein hoher Anstrengungsgrad vermochte diesen Genuß sogar zu verstärken.

Eines Tages im Frühling 2022 informierte mich eine Freundin darüber, dass die SUP Alps Trophy zum ersten Mal an meinem Lieblingssee nahe meiner Heimatstadtstattfinden würde. Ab diesem Moment begann es in mir zu arbeiten. Sollte ich daran teilnehmen? Schließlich würde es ein 12 km Long Distance Race geben. Für mich mit einer guten Zeit absolut bewältigbar. Been there, done that – dachte ich mir. Das klang eher wie eine flotte Spazierfahrt für mich.

SUP Alps Trophy

Andererseits dachte ich mir, dass es mit einem iSUP sowieso keinen Sinn macht daran teilzunehmen zumal Hardboards und iSUPs gemeinsam gewertet werden. Sogesehen ist das ein ungleicher Wettbewerb, denn Hardboards stechen iSUPs beim Tempo um Längen. Siegeschancen wären damit für mich nicht wirklich existent, schließlich hat es schon seinen Grund, wieso an solchen Rennen immer nur ein paar Exoten auf iSUPs teilnehmen. Die Masse gleitet auf Carbon dahin.

So schnell mein Touring Board auch war, es würde einfach nicht für ein Topergebnis reichen und wenn ich schon teilnehme, dann möchte ich auch vorne mitmischen. Immer wieder verwarf ich die Idee einer Wettbewerbsteilnahme, aber ein paar Tage später schlichen sich wieder gegenteilige Gedanken ein. Dann kam die Idee, mir über meinen Sponsor ein Race Board zu besorgen. Dies würde zwar auch ein iSUP sein, jedoch viel schneller als mein schnellstes Touring Board. Es bedurfte nur einer kurzen Chat-Nachricht und mein Race Board war bereits auf dem Weg zu mir. Damit war auch die Entscheidung, welche zuvor nie wirklich im Raum gestanden hatte, ebenso gefallen. Ich meldete mich kurzum zu meinem ersten Long Distance Race an und visualisierte schon meinen Erfolg. Um den auch zu haben benötigte ich noch eine Trinkblase, denn ohne Eleketrolyte und Wasser würde ich das nicht durchziehen können. Also wurde auch das gleich im nächsten Sportshop gekauft und das Projekt Long Distance Race begann seinen Lauf.

Das Training

Sogleich startete ich die Vorbereitung, denn es waren noch fünf Wochen bis zum Wettbewerb und die wollte ich natürlich optimal nutzen. Als Fitnesstrainer und erfahrener Langdistanzpaddler war es für mich einfach, mir einen passenden Trainingsplan zusammen zu stellen, der mich in wenigen Wochen in Wettkampfform bringen sollte.

Von nun an standen zwei bis drei Paddeleinheiten pro Woche mit Distanzen zwischen 6 – 12 km Länge auf dem Programm, wobei Volumen und Intensität langsam gesteigert wurden. Dabei trainierte ich nach der extensiven und intensiven Dauermethode sowie nach der Intervallmethode. Das Dauertraining lag stets bei 8 – 12 km und diente der Verbesserung der Grundlagenausdauer am Wasser sowie der Tempokonstanz. Die Intervalle von einem, zwei und vier Kilometern sollten mein wettkampfmäßiges Conditioning etablieren und vor allem eine maximale Schlagfrequenz sowie meine Laktattoleranz verbessern.

Die Trainingsergebnisse waren motivierend, zumal ich meine Paddelfrequenz auf durchschnittlich 55+ Züge/min und meine Geschwindigkeit auf durchschnittlich 7,5 km/h hochtreiben konnte. Diese Werte waren für mich Neuland und konnten auch auf den langen Trainingsdistanzen aufrecht gehalten werden.

Leider reicht dieses Tempo halt nicht, um gegen die 10 km/h zu bestehen, welche auf Hardboards über Langdistanzen möglich sind. Andererseits passte jedoch die Paddelfrequenz von etwa einem Schlag pro Sekunde, was mich dann schon zum Träumen hinreißen ließ. Was wäre, wenn ich solch eine Frequenz mit einem Carbonbrett unter meinen Füßen durchziehen würde? Ein Top 10 Ergebnis?

Ich fühlte mich gut vorbereitet und ging mit der Intention an den Start, zumindest bester iSUPer im Rennen zu werden und maximal 95 min bis ins Ziel zu benötigen.

Pre-Race

Der Wettkampftag begann früh, ich fühlte mich entspannt, leistungsbereit, frei von Nervosität und war in freudiger Erwartung. Wie läuft das ganze überhaupt ab? Wie wird es mir am Wasser gehen? Wie gut bin ich tatsächlich?

Natürlich wollte ich mir etwas beweisen und war mir meiner Sache auch sicher, denn ich hatte gut trainiert und war schließlich auf alles vorbereitet. Wirklich?

Am Eventgelände war alles sehr angenehm und familiär und ich fühlte mich sofort wohl. Zum Pre-Race-Meeting kamen dann so an die achtzig Rider zusammen und ich konnte kein Anzeichen von Rivalität in der Menschentraube vor dem Renndirektor empfinden. Wir alle würden in einer halben Stunde gegeneinander antreten und auch einen Geldpreis gewinnen wollen, aber bis es soweit war, waren wir Kollegen, nicht Kontrahenten. Dieser Vibe, der in der Race-Community zu herrschen scheint, gefiel mir auf Anhieb und es ist auch gut, dass es so läuft. Schließlich waren ja alle wegen der selben Leidenschaft hier, die uns verbindet.

Der Start

Es kann schon eine Weile dauern, bis achtzig Boards so ausgerichtet sind, dass der Renndirektor damit zufrieden ist und das Rennen starten kann. Wohin ich auch blickte, iSUPs gab es kaum zu sehen. Na servas, dachte ich mir auf gut Österreichisch und stellte noch schnell meinen Sporttracker ein. Dann kam auch schon das Startsignal und damit eine Situation, die ich komplett unterschätzt hatte:

So ein SUP-Massenstart wirbelt enorm viel Wasser auf, weil alle sofort los sprinten, als wäre der Teufel hinter ihnen her. Die Wellen selbst sind ja nicht das Problem, denn jeder hier kann locker deutlich größere Wellen meistern. Die große Herausforderung hingegen ist die starke Interferenz von unzähligen kleinen (und an sich harmlosen) Wellen um jedes Board herum. Wer nicht gleich vorne an der Spitze paddelt und das Flachwasser vor sich hat, muss achtgeben im erratischen Wellengang nicht vom Board geworfen zu werden.

Den Paddler links neben mir erwischte es gleich beim Start und er fiel von seinem Hardboard runter. Dieses drückte backbord gegen mein fragiles iSUP, welches sowieso schon von den Wellen und dem Überraschungsmoment gebeutelt wurde. Es grenzt an ein Wunder, dass ich die nächsten 500 m nicht nass wurde, denn ich kämpfte mehr gegen den Wellengang als gegen die anderen Paddler. Das kostete Zeit, Kraft und auch ein wenig Motivation. Ich lernte später im Gespräch mit einem der Favoriten, dass Hardboards halt einfach stabiler im unruhigen Wasser liegen, sogar wenn sie schmäler tailliert daherkommen als ein entsprechendes iSUP. So langsam verdichteten sich die Gründe, Rennen in Zukunft nicht mehr mit einem iSUP zu bestreiten. Mal abwarten, ob es für mich weitere Rennen geben würde.

Das Rennen

Nachdem ich meinen Stammplatz im letzten Viertel der Renngruppe etabliert hatte kam die Motivation wieder zurück. Erstens war das Wasser wieder angenehm weil sich alle Paddler nun schön verteilt hatten und kein Gedränge mehr herrschte. Zweitens sah ich wie scheinbar mühelos und niederfrequent die Paddler vor mir unterwegs waren. Bei meiner hohen Paddelfrequenz würde ich die da vorne bald eingeholt und überholt haben. Es waren schließlich kaum 100 m bis zum Grüppchen vor mir. Also legte ich noch mal einen Gang zu und drehte die Schlagzahl bei vollem Körpereinsatz nach oben. Was passierte? Gar nichts! Nach etwa einem Kilometer hardcore paddeln passierten die vier vor mir gerade die erste Boje und ich kam ungefähr eine halbe Minute später daran vorbei. Aber ihr Turn war langsam. Die schienen wohl auch relativ neu im Rennbetrieb zu sein. Leider war ich mangels ausgefeilter Technik noch langsamer beim Turn und veror damit wieder wertvolle Meter.

Das machte aber zunächst nichts, denn es lagen noch etwa zehn Kilometer vor mir und somit noch genug Zeit, um aufzuschließen. Außerdem hatte ich den Eindruck, dass die Paddler dort vorne sowieso auf Spazierfahrt waren, mehr als 35 Schläge/min dürften das nicht gewesen sein.

Der Abstand pendelte die nächsten Kilometer ein wenig hin und her, aber unterm Strich blieb ich wohl etwa einhundert Meter im Rückstand. Jedoch witterte ich in der letzten Runde meine Chance. So langsam holte ich plötzlich auf, paddlte ewig lange starbord und hatte einen tollen Rhythmus mit kräftigen, langen Zügen etabliert. Es lagen noch zwei Kilometer bis zum Ziel vor mir und ich kam an die 30-40 m an die Gruppe ran.

Wäre ich bloß nicht einmal beim Turn und einmal beim Wechsel der Paddelseite ins Wasser gefallen, würde ich nun wohl schon vor der Vierergruppe paddeln. Zumindest den Sturz beim Paddelwechsel hätte ich mir sparen können. So etwas passiert mir nie. Das ist ein klassischer Rookie-Fehler, dem ich schon lange entwachsen bin.

Das Ende der Geschichte: die Hardboarder vor mir begannen zum Ende hin wirklich zu paddeln, legten so etwas wie einen Sprint ein und beendeten das Rennen wieder deutlich vor mir. Game Over! Lessons learned!

Das Ziel

Auch ich nahm auf den letzten Metern den Stock nochmal fest in die Hand und zog was das Zeug hielt, um noch ein paar Sekunden gut zu machen. Ich war allein auf weiter Flur und steuerte auf den Strand zu. Die Zielbojen waren schon hinter mir und ich dachte bereits, dass es das nun gewesen sei. Also bremste ich runter und ließ mich an den Strand gleiten. Dabei merkte ich in meiner Erleichterung nach dieser Qual und in meiner kleinen Selbstzufriedenheit gar nicht, dass mir die Schaulustigen und der Rennleiter etwas zuriefen.

Ach ja, es wäre natürlich gut, auch die Zeitschranke zu passieren, welche sich jedoch am Ufer befand. Mit der Trödelei hab ich somit alles wieder verloren, was ich im Endspurt wettmachen konnte. Und außerdem wäre es gut, das Board dann aus der Zielzone zu nehmen, wenn ich fertig bin. Okay, verstanden, diesen Fehler macht hoffentlich jeder nur ein einziges Mal.

Das Ziel

Meine Zeit war top und sogar zwei Minuten schneller als ich es mir selbst erwartet hatte. Über die gesamte Distanz konnte ich sogar meine Durchschnittsgeschwindigkeit um 0,1 km/h steigern – die ganze Quälerei muss ja auch Früchte tragen. Ich spürte das auch am Muskelkater danach – weniger im Oberkörper, aber vor allem in den Waden.

Ich habe definitiv Blut geleckt und begann kurz nach dem Wettbewerb bereits zu grübeln: Ich habe die nötige Trainingsdisziplin, die Paddelfrequenz, die Paddeltechnik und die Leidensbereitschaft, um bessere Ergebnisse zu erzielen. Mit einem Hardboard und einer verbesserten Kurventechnik könnte ich meiner Meinung nach ganz vorne mitmischen. Es brodelt in mir – im positiven Sinne natürlich.

Gut, dass ich hier am Eventgelände die gängigsten Carbon Race Boards ausprobieren konnte. Nach zwei kurzen Testfahrten war bei mir auch diese Entscheidung, die ebenso nie zur Debatte gestanden hatte, gefallen. Ich würde mir ein Hardboard besorgen und 2023 wieder in meiner Heimat an den Start gehen. Und dann wird ein unbekannter Local von seinen Fehlern gelernt haben und ganz vorne mit dabei sein.

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